Wednesday, February 14, 2007

 

Was mir an der Uni fehlt oder die Universität von Utopia

Was mir an der Uni eigentlich gefehlt hat, ist das Gemeinschaftsgefühl zwischen den Studenten. Ich hatte mir gewünscht, dass man an der Uni mit vielen interessanten und brillanten Menschen aus seinem Fachbereich zusammentrifft. Neue Ideen entstehen bekanntermassen am besten im Diskurs.

Was mich enttäuscht hat ist, das das Studium (wieder mit Ausnahme der O-Phase) sehr anonym ist.
Natürlich gibt es Gemeinschaft zwischen den Studenten und ich habe in Karlsruhe auch viele Freunde gefunden.

In Singapur sind die Dinge nicht so viel anders. Dadurch dass die Notenverteilung nicht nach absoluten Punkten , sondern nach relativen Punkten erfolgt
(die Notenverteilung folgt einer Gauss'schen Glockenkurve), scheint es mir sogar so, dass es weniger Kooperation zwischen meinen Kommilitonen gibt.

Ich bin es eigentlich gewohnt vor Klausuren Lerngruppen zu bilden, aber als ich das ein paar meiner Kommilitonen hier vorgeschlagen habe, habe ich keine Resonanz gekriegt (der Korrektheit halber muss man sagen, dass es keine Singapurer waren, deshalb ist das Ergebnis sicher nicht repräsentativ).

Von den Medizin Studenten an der NUS habe ich aber von einem System gehört, was ich mir in meinem ersten Semester sicher gewünscht hatte. Jeder Erstsemester wird einem älteren Studenten, seinem 'Senior' zugeordnet, der für die Zeit seines Studiums ein Mentor für ihn ist. Natürlich muss jeder Student später dann selbst auch einen 'Junior' adoptieren. Nun ist Medizin nicht Informatik und vielleicht gibt es dieses System auch an deutschen Medizin Fakultäten (in Karlsruhe haben wir ja leider kein Medizin), aber ich kann mich noch daran erinnern, dass wir uns nach dem ersten Semester in der Kippe überlegt haben, wie toll es wäre so ein Mentor System zu haben. Klang damals wie die Universität von Utopia.

Comments:
Ich weiss, dass du dich in Singapore sehr wohl fühlst. Du hast dort ein familiäres Umfeld (Familie deiner Mutter) und du hast auch schon einige Freunde gefunden. Du beklagst dich aber in dem Blogeintrag über die Anomymität unter den Studenten, und du führst diese Erscheinung auf das Notensystem nach gaussscher Verterteilungskurve zurück., wodurch eine Konkurrenz unter den Studenten entsteht, die wiederum das Entstehen von Lerngruppen verhindert.
In meiner Zeit habe ich meist mit anderen zusammen gelernt. Davon haben alle profitiert, nicht nur die schwächeren. Auch den guten Studenten wurden durch das Ausformulieren und Argumentieren in diesen Gruppen die Themen noch vertieft, wodurch auch sie noch besser durchblickten, sie also Aufgaben wahrscheinlich besser lösen konnten.
Wenn man diese Erkenntnis mit dem Nachteil für bessere Studenten durch die relative Notenverteilung vergleichen will, kann man das Wahrscheinlich auch mathematisch lösen.
Ich glaube eher, dass das beklagte fehlende Gemeinschaftsgefühl und die Komunikationsbereitschaft eher mit dem typischen Infostudiosus zusammenhängt. Deine Schulfreunde in PB, die ja auch in die Info-Fächer hiuneinstudiert haben, sind ja so mitteilsam, dass sie in der ganzen Zeit noch keinen einzigen comment zustandegebracht haben.
Zu deinem Wunsch nach Erstsemester-Adoption kann ich nur soviel sagen: Ich hätte mich damals gefreut, wenn sich jemand um mich gekümmert hätte, aber ich weiss nicht, ob ich später die Möglichkeit gehabt hätte, dass wieder weiterzugeben.
Gruss vom Leucatefan
 
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